Der Biodiversität auf der Spur

SchülerInnen des 10. Schuljahres Vaduz gestalten ein Stück Natur.

Der Monat November stand bei der Klasse Zukunftsbrücke des Freiwilligen 10. Schuljahres Vaduz ganz im Zeichen von Naturerfahrung und -gestaltung. Als Auftakt besuchte der Ornithologe Wilfried Vogt mit viel Anschauungsmaterial und bildhaften Erzählungen die Klasse von Rebekka Biedermann.

Beim Besuch des Haberfeldes und anschliessend bei der Erstellung von Kleinstrukturen sowie der Bepflanzung eines kleinen Naturjuwels bei der Deponie Vaduz lernten die Jugendlichen einige Möglichkeiten praktischer Umsetzung naturnaher Umweltgestaltung kennen.
Unter der kundigen Leitung von Gabriel von Grünigen entstanden zuvor im Holzbearbeitungskurs Nistkästen: Sommerresidenzen für einen besonderen Segler.

Mauersegler – eine einzigartige Spezies
Ein Vogel, etwas grösser als eine Schwalbe, der jedoch in seiner Lebensweise stark von den bekannten Seglern, den Mehl‑ und Rauchschwalben, abweicht. Nur zur Brutzeit fliegt der Mauersegler aus dem südlichen Afrika (!) zu uns über die Alpen, gerade mal für drei Monate. Hier benötigt er zur Brutpflege hochgelegene Nistkästen, damit er seine Bruthöhlen leicht anfliegen kann. Denn der Mauersegler verbringt 80 % seines Lebens in der Luft. Während er nachts in die Höhe steigt und in seinem Schlafmodus heruntersegelt, um sich so zu erholen, jagt er tagsüber meist in Kleingruppen Insekten, die er in seinem Kehlsack zu seinen Jungen trägt. Wer kennt nicht das hohe Sirren, wenn die Jäger über unsere Köpfe ziehen und im Sturzflug zu weit über 100 km/h fähig sind?

Haberfeld und Deponie – sehr unterschiedliche Lebensräume
Der Besuch im Haberfeld – begleitet vom Fotografen Georg Jäger – liess Erstaunliches zu Tage treten. Auf denkbar kleinstem Raum konnten ein mäandrierender Bach, kleine Teiche mit vielen Kleinstrukturen und hohen Bäumen an ihren Rändern auch im November den Lebensreichtum des Ortes nicht verbergen: Ein kixender Buntspecht und ein badender Zaunkönig präsentierten sich gleich zu Beginn des Rundgangs.

Anders in der Deponie – diesmal in Begleitung von Forstexperten der Gemeinde: Der Ort schien auf den ersten Blick eher lebensfeindlich, kahl und laut. Schwere Lkw führten unermüdlich Kies und grosse Steine zu Tal. Dass die Betonhaufen seit Jahren dem Ablauf einer Kreislaufwirtschaft folgen, weist jedoch darauf hin, dass der Schutz der Natur mitgedacht wird. Die renaturierten Hänge und das kleine Juwel auf der Kuppe mit Wurzeltellern, Totholzhaufen und kleinen Vertiefungen für stehendes Wasser hatten es in sich: Hier konnten sich die Jugendlichen ins Zeug legen. Steine, Holz und Schilf wurden zu einem schönen Haufen geschichtet, Neophyten entsorgt und jeder durfte eine Wildstaude pflanzen: Weiss- und Schwarzdorn, Heckenrose, Pfaffenhütchen sowie Wildobst. Diese werden sie lange begleiten und an der zukünftigen Wegführung des Fürstenweges gelegen auch viele Spaziergänger erfreuen.
Bericht Vaterland vom 4.12.2025