Eisvogel – Vogel des Jahres 2026

Foto: Georg Jäger

Eisvogel – der Vogel des Jahres 2026
Die Bevölkerung kürte unter der Aufsicht von BirdLife Schweiz den Eisvogel zum Vogel des Jahres 2026.
Alle kennen ihn, den schillernd blau-orangen Vogel, doch viele haben ihn noch nie gesehen.
Er ist gut getarnt, fliegt pfeilschnell über das Wasser, nur der schrille Pfiff macht auf ihn aufmerksam.
Der Eisvogel wurde zum zweiten Mal von der Bevölkerung zum Vogel des Jahres
gewählt, hauchdünn vor der Wasseramsel.

Perfekte Tarnung
Der Eisvogel lebt an intakten, naturnahen Gewässern, wo er sich in erster Linie von kleinen
Fischchen ernährt. Dabei hilft hm seine orangebraune Unterseite, dass er von seinen Beutetieren im Wasser nicht wahrgenommen wird. Die türkisfarbene bis dunkelblaue Oberseite wiederum lassen ihn mit der Farbe des Gewässers verschmelzen und schützt ihn so vor Feinden aus der Luft. Überhaupt ist der Eisvogel kaum mit einem anderen Vogel zu verwechseln, wobei die Männchen einen durchgehend schwarzen Schnabel, die Weibchen einen roten Unterschnabel besitzen. Jungvögel haben eine weisse Schnabelspitze und schwarze Beine.
Erfolgreicher Fischer
Der Eisvogel jagt hauptsächlich vom Ansitz aus. Wenn er über dem Wasser auf einem Ast sitzend einen Fisch erspäht, taucht er blitzschnell mit geöffneten Flügeln und Augen, um die Beute zu ergreifen. Dass er unter Wasser sehen kann verdankt er einer Nickhaut auf den Augen, die beim Eintauchen vorgezogen wird.
Der Eisvogel hasst das Eis
Der Name stammt aus dem Althochdeutschen «isaro» und wurde im Zuge der Klanganpassung zu «Eis» bzw. «Eisen». Eis im Winter passen gar nicht zum Eisvogel, denn in strengen Wintern, wenn viele Gewässer zufrieren, sind Beutefische unerreichbar für den Vogel. So hat der strenge Winter 1963, als der Bodensee zufror, den gesamten Bestand in Mitteleuropa ausgelöscht und es vergingen Jahre, bis der Eisvogel wieder Fuss fassen konnte. Ausfälle werden mit hohen Fortpflanzungsraten kompensiert
Um die hohen Verluste zu kompensieren legt der Eisvogel 6-8 Eier, die er knapp drei Wochen bebrütet. Nach weiteren gut drei Wochen fliegen die Jungen aus. Diese werden zunächst von beiden Elternteilen gefüttert, doch beginnt das Weibchen vielfach bereits mit einer neuen Brut, einer sogenannten Schachtelbrut, bevor die Jungen ausgeflogen sind.
Reinlichkeit ist ein Fremdwort
Für eine Zweitbrut muss eine neue Röhre mit Nistkammer gegraben werden, wofür der Eisvogel mitunter mehrere Tage braucht. Dies liegt vor allem daran, dass das Nest nicht gesäubert wird und nach einer Brut aufgrund vieler verwesender Fische nicht mehr bewohnbar ist.
Heute ständiger, aber seltener Brutvogel in Liechtenstein
Zwar bezeichnet Prinz Hans den Eisvogel 1955 als Brutvogel, doch in den folgenden Jahrzehnten gelang kein Brutnachweis mehr. Das lag wohl daran, dass die kanalisierten Fliessgewässer dem Eisvogel keine Möglichkeit liessen, eine Brutröhre zu graben. Erst nach einer bestätigten Brut 1998 konnte sich im Laufe der Jahre ein kleiner Bestand aufbauen, vor allem dank der Revitalisierungen entlang von Gewässerstrecken im Talraum. Im Brutvogelatlas 2019 wurde von einem Bestand von 3-6 Paaren ausgegangen. Wie verletzlich der Bestand jedoch ist, zeigte sich 2017, als der Bestand nach einer langandauernden Kälte im Januar zusammenbrach und sich danach nur langsam wieder erholte.
Bericht: Georg Willi