Jetzt fliegen sie, die Mauersegler

Hoch in der Luft fliegen sie, manchmal hört man ihr lautes Rufen: Sriiiih, wenn sie in kleinen Gruppen unterwegs sind und im wendigen Flug um die Hausgiebel jagen. Meistens jedoch fallen sie nicht auf, weil sie hoch fliegen und weil sie so schnell sind.
Dieser Bericht von Leo Suter, Mitglied des LOV, erschien am 14.7.2022 im Liechtensteiner Volksblatt
Mauersegler sind sehr elegante Flieger und optimal ans Leben in der Luft angepasst: ein schlanker Körper und lange, sichelförmige Flügel. Phasen mit schnellen Flügelschlägen wechseln sich ab mit kurzen Gleitflugphasen. Sie sind etwas grösser als Schwalben, sind dunkelbraun mit einem hellen Kehlfleck. Segler sind das ganze Jahr in der Luft und holen sich dort alles, was sie brauchen: kleine Insekten und Fliegen, auch die Paarung findet in der Luft statt. Fliegend schöpfen sie Wasser aus Flüssen und Seen, sogar das Nistmaterial ergattern sie sich in der Luft. Nur zum Brüten brauchen sie festen Boden. Schlafend fliegen sie in höheren Luftschichten und kehren am Morgen unbeirrt wieder in ihre Kolonie zurück. Ihre Füsse allerdings sind sehr kurz, so dass ihnen Bodenstarts nur schwer gelingen. Am liebsten landen sie an hohen, steilen Wänden, seien dies nun Fels- oder Häuserwände, von denen sie sich fallen lassen und schnell die erforderliche Fluggeschwindigkeit gewinnen können. Mauersegler sind bei uns im Sommer regelmässig zu beobachten, man sieht sie etwa von Anfang Mai bis Mitte August, dann verabschieden sie sich wieder ins südlich der Sahara gelegene Winterquartier. Die Art ist in Liechtenstein nicht gefährdet, der Bestand ist stabil.
Hier in Liechtenstein sieht man sie vor allem im Talgebiet, aber auch im Steg, wenn auch seltener; einzig in Planken konnten im kürzlich erschienen Brutvogelatlas von Georg Willi (2019) keine Brutnachweise gefunden werden. Mauersegler brüten in Kolonien, die wohl grösste Gruppe findet sich in den Gebäuden der Universität Liechtenstein in Vaduz.
Die grösste Gefahr für die Mauersegler sind Renovationen und Abbrüche, weil dann ihre Brutplätze wegsaniert werden. Während des Umbaus der Universität Liechtenstein 1999-2000 war es dem Ornithologischen Verein Vaduz (OVV) ein grosses Anliegen, dass die dortige Population der Mauersegler erhalten blieb. Ihr Anliegen wurde wohlwollend aufgenommen und die gute Zusammenarbeit zwischen der Gemeinde Vaduz, dem OVV, dem Landesbauamt und dem Architekturbüro fand Lösungen, die den Bedürfnissen dieser Vogelart entspricht: Die Erhaltung von Löchern, Nischen und kleinen dunklen Hohlräumen als bevorzugte Brutplätze. Die Segler sind extrem ortstreu und erinnern sich präzise, in welcher Nische oder unter welchem Lüftungsziegel sie ihren Brutplatz haben, sie finden nur sehr schwer einen neuen; deshalb ist es enorm wichtig, dass die vorhandenen Brutplätze erhalten bleiben. Weil sich in Vaduz die Umbauarbeiten nicht vor der Ankunft der Segler beenden liessen, wurden viele Mauerseglernistkästen als Ersatzlösung ans Baugerüst montiert, wo die Segler dann trotz der Umbauarbeiten ungestört ihrem Brutgeschäft nachgingen. Mittlerweile sind es gemäss Schätzung von René Steiner (OVV) wieder etwa 50 bis 100 Nistplätze, ähnlich viele wie vor dem Umbau, und die Segler sind gern gesehene Gäste. Nach Aussage von Rolf Jeitziner, dem Facility Manager der Universität, machen diese Gäste keine Probleme: kein Kot und keine Gefahr für die Bausubstanz durch Hacken von Löchern oder Herauszupfen von Isolationsmaterial. „Viele Besucher nehmen sie gar nicht wahr – sie sind so gut wie unsichtbar“. Mit geschickter Planung und ökologischer Begleitung konnte so eine gute Lösung gefunden werden. Auch in Schaan und in Triesen werden die Mauersegler laufend beobachtet und die Brutplätze registriert.
Bei uns im Land kommt auch der Alpensegler vor in einer kleinen Kolonie am Ellhorn in Balzers. Er ist etwas grösser als der Mauersegler und leicht zu erkennen an der weissen Unterseite.
Gemäss dem Naturschutzgesetz sind die Mauersegler geschützt und es ist untersagt, die Brut zu stören und Eier vom Nest zu entfernen. Deshalb lohnt es sich, das eigene Haus zu beobachten hinsichtlich von Mauerseglerbruten, oft sind Hausbesitzer und Immobilienverwaltung in Unkenntnis ihrer fliegenden Untermieter. Umbauten und Renovationen sollten darum am besten zeitlich ausserhalb der Brutzeit ausgeführt werden. Mit wenig Aufwand kann man diese Vogelart unterstützen, damit sie auch weiterhin häufig im Sommer bei uns zu sehen ist.

